Wie in Aachen der Düvels Schabau entstand

Wütend hatte der Teufel einstens die beiden schweren Säcke voll Sand, die er den weiten Weg von Antwerpen bis vor die Tore Aachens geschleppt hatte, von sich geworfen, als die Marktfrau ihm erklärt hatte, wie weit der Weg in die Stadt noch sei, und er einsehen musste, dass sein Plan, den Dom, die Stadt und alle Aachener mit dem Sand zuzuschütten, gescheitert war. Außer sich vor Wut und laut fluchend war er weggerannt und lange rastlos durchs Land gezogen.


Nun, einige Jahre später, sann er auf Rache. Es war nicht schwer, seinen Kumpanen, den Wind in der Eifel, der dort nichts Besseres zu tun hatte, als um die hohen Hecken zu fegen, dazu zu überreden, ihn nach Aachen zu begleiten.

Die Sandsäcke mussten ja noch dort liegen, wo er sie damals zurückgelassen hatte − und es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn es ihm mit der Hilfe des Windes nicht gelingen würde, den ganzen Sand in die Stadt zu transportieren, mittenmang auf das mittlerweile fertige, prachtvolle Münster Karls und die Bürgerhäuser all der Aachener, die ihn einst mit einer Wolfsseele betrogen und unter Gelächter aus der Stadt gejagt hatten.


Auf dem Weg die Himmelsleiter hinunter sammelte der Wind Kraft, blies seine Backen so dick auf wie noch niemals zuvor … und ihr teuflischer Plan nahm Gestalt an. Kein Haus, keine Maus, keinen der Aachener, nicht das Grashaus, nicht den Katschhof, nicht die Klappergasse und auch nicht den Fischmarkt wollten sie verschonen.

Diesmal sollte alles zwischen der Höhe bei Stolberg und jenem Ort, wo die Marktfrau dem Teufel begegnet war, unter Sand begraben werden. Noch niemals seit des Teufels Daumen in der schweren Kupfertüre steckengeblieben war, als er diese wütend hinter sich zuwarf, war Aachen in so großer Gefahr.

Als die beiden an der Stelle zwischen den beiden Hügeln, wo die Marktfrau ihm begegnet war, ankamen, traute der Teufel seinen Augen – die gerötet waren und tränten, weil der dumme Wind ihm die ganze Zeit unterwegs hineingeblasen hatte − nicht. Da hatten diese Aachener doch tatsächlich auf einem der beiden, aus seinem Sand entstandenen, Hügel bereits eine Kirche gebaut.


Wiesen und junge Bäumen umgaben das Kirchengebäude. Nur noch der Stein, auf dem er sich aus Antwerpen kommend nach der langen Wanderung niedergelassen hatte, erinnerte an jenen Abend, als ihn die Marktfrau betrogen hatte. Wäre dieser Stein nicht gewesen, er hätte den Ort gar nicht mehr wiedererkannt. Hatten diese Aachener denn überhaupt keinen Respekt vor ihm, dem leibhaftigen Krippekratz? Bauten einfach ohne jede Scham eine Kirche auf dem Sand, den er, der Teufel persönlich, nach Aachen geschleppt hatte, um die Stadt Karls des Großen darunter zu begraben.

Der andere Sandhaufen war zu einem noch viel höheren Hügel geworden, ein richtiger Berg erhob sich nun oberhalb von Aachen. Bäume waren darauf gewachsen, Sträucher und Wiesen für das Vieh der Aachener. Auf dem Stein stehend, konnte er in die Fenster unten in der Stadt schauen, er sah die Menschen im Schein der Kerzen, wurde glutrot vor Wut und die Spitzen seiner Hörner leuchteten in der Abenddämmerung.


„Na wartet nur, Ihr da unten“, feixte der Teufel. „Euch werde ich es zeigen, heute Nacht wird abgerechnet für das, was ihr mir einst antatet!“


Luzifer begann den Wind anzutreiben. Dieser blies so stark wie noch nie zuvor hinunter in die Stadt. Die Aachener schlossen vor Angst die Läden an ihren Fenstern. Der Wetterhahn auf dem Rathaus drehte sich unglaublich schnell. Dem Hühnerdieb auf seinem Brunnen riss es fast die Mütze vom Kopf. Der mächtige Granusturm, stabil gemauert wie er war, beugte sich unter der Last des Windes leicht nach links, was man bis heute sehen kann! Der Wind lief blau an vor Anstrengung, der Teufel sprang auf seinem Stein auf und ab und feuerte ihn an.


Wie sehr dieser aber auch blies und blies, die Wurzeln der, von den Aachenern gepflanzten, Bäume und Sträucher waren zu stark und hielten den Sand fest. Nur ein paar Eimer voll lösten sich wohl, landeten am Fuße des Lousbergs und wurden später, viel später zu Kurpark und Tummelwiese.

Und dann passierte es!


Für einen Moment drehte der Wind sich zum Düvel um und blies ihn mit voller Kraft an. Dieser versuchte noch Halt zu finden. Aber zu spät, Krippekratz verlor den Halt und krachte laut fluchend gegen den Stamm eines hinter dem Stein stehenden Apfelbaumes. Vor lauter Schreck blies der Wind noch stärker, und Apfel für Apfel löste sich und donnerte auf des Teufels Kopf und Glieder. Zwei der wunderbar roten Äpfel steckten sogar auf seinen Hörnern, und es sah fast so aus, als müsse das so sein.

Das kleine rote Rinnsal aber floss direkt in den Annuntiatenbach und von dort − als ob es so sein müsste – weiter in den Keller jener Marktfrau, die einst den Teufel so belogen und die Aachener vor seinem Zorn gerettet hatte. Das Gemisch aus Teufelsblut, Apfelsaft und Regenwasser ergoss sich über die dort gelagerten Körbe mit Obst und Gemüse und sammelte sich schließlich in einer großen alten Zinkwanne.


Als die Marktfrau am anderen Morgen in ihren Keller kam, um das Gemüse für den Markt herzurichten, traute sie ihren Augen nicht. Der Boden des Kellers war knietief mit Flüssigkeit bedeckt, die Obstkörbe schwammen darin, und die alte Zinkwanne war randvoll gelaufen. Wie zuvor der Teufel, verlor auch sie auf der seltsamen, glitschigen Brühe das Gleichgewicht und landete kopfüber im Nass. Laut prustend kam sie wieder an die Oberfläche und war zunächst der Meinung, jemand hätte ein ganzes Fass schmackhaften Weines in ihrem Keller verschüttet.

Bis, ja bis sie das Rinnsal entdeckte, das durch die Wand zu fließen schien und sich in ihrem Keller sammelte.


Wutschnaufend sprang der Teufel nach vorne, rutschte auf einem der zerplatzten Äpfel aus, knallte der Länge nach auf den Boden und landete mitten in einem Rinnsal, das sich nach einem morgendlichen Regenschauer gebildet hatte. Das Blut seiner aufgeschürften Knie und Ellenbogen vermischte sich mit dem Saft der Äpfel und dem Regenwasser und floss langsam hinunter in die Stadt.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich der immer noch schimpfende und zeternde Teufel aus seiner misslichen Lage befreit hatte. Wieder auf den Beinen, sprang er auf den Wind zu und wollte diesen dummen Banausen schütteln und schimpfen. Dieser hatte das aber wohl geahnt, drehte auf dem Absatz um und pfiff so schnell er konnte davon in Richtung Eifel. Der zornesrote Teufel mit den beiden Äpfeln auf den Hörnern rannte hinterher!

Woher WIR nun den Original Öcher Düvels Schabau bekommen? Das verraten wir natürlich nicht!


Aber wir können Euch verraten, was aus dem Teufel wurde: Wie schon so oft, rannte er auch dieses Mal wutschnaubend weg aus Aachen und wurde für viele hundert Jahre nicht mehr gesehen.


Ob unsere Geschichte auch wirklich stimmt?


Aber joa wa!


Met Öcher Jröss lädt euch Dirk der Stadtführer gern zu einem Glas Öcher Düvels Schabau ein!